Schauen wir uns mal an, wie Waze solche Strecken berechnet. Da diese Mechanismen das Kapital von Waze sind, gibt es dazu leider nur sehr wenig Informationen und die meisten sind eher aus Beobachtungen abgeleitet, als tatsächlich valide Aussagen von Waze. Es gibt aber 3 Dinge, die Einfluss auf die Strecke haben (Kartenfehler mal außen vor):
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Lang- oder Kurzstrecke
Für kurze Strecke benutzt Waze alle routbaren Segmente. Für längere Strecken - und es ist anzunehmen, dass Waze bei 30 - 40 Kilometern schon das Langstreckenrouting verwendet, versucht der Server auf kürzestem Wege zur nächsten Autobahn oder Bundesstraße zu kommen (ggf. auch mal noch eine Landesstraße), auf der A oder B wird man dann so nah wie möglich ans Ziel geleitet und von dort möglichst schnell bis zum Ziel. Dies erklärt vielleicht auch, warum ggf. auf Strecken abseits der 2 Hauptrouten (A1 / A4-A3) verzichtet wird - außer Waze erkennt ein außerordentliches Ereignis und berechnet zwischendrin die Strecke neu.
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Statistische Daten
Für jedes Segment, durch das ich mit Waze fahre, speichert Waze die Durchfahrtszeit. Waze “lernt” also quasi, wie schnell ich wann welches Segemnt durchfahren kann. Eine grobe Vermutung, wie soetwas abläuft:
-> bei einem neu gezeichneten Segment setzt Waze - je nach Segment-Typ - eine generelle Durchschnittsgeschwindigkeit an, bei Street z.B. wohl 50 km/h
-> fährt da jetzt mal jemand mit 30 km/h durch, sinkt der Durchschnittswert etwas
-> fahren alle immer mit ca. 30 da durch, sinkt er irgendwann auch auf ca. 30
-> fahren alle, die um 17:00 Uhr da durchkommen, aber nur 15 km/h, fängt Waze an, zeitlich zu differenzieren - Standard - 30, 17:00 Uhr - 15, das kann er - gerüchteweise - für jeden Tag der Woche und bis auf 10 Minuten-Abstände herunterbrechen, genügend Daten vorausgesetzt
-> genauso arbeitet er mit den Zeiten, die man fürs Abbiegen in das nächste Segment braucht, also weiß Waze z.B. dass ich um 17:00 Uhr für das Segment 2 Minuten brauche, wenn ich danach gerade aus fahre, wenn danach ich links abbiege, brauche ich um die selbe Zeit für das Segment 5 Minuten - ergo Linksabbiegen dauert länger als gerdeaus
Je mehr Daten von Durchfahrten Waze hat, umso genauer kann er also “den üblichen Stau von 16:30 bis 18:00 Uhr” in die Route einberechnen. Je mehr Daten vorhanden sind, umso weniger fallen Ausreißer ins Gewicht (Nutzer die Waze mit dem Fahrrad benutzen oder beim Spazierengehen :? )
Wenn allerdings viele Nutzer z.B. auf der Autobahn mittags mit 150 fahren, aber bisher nur sehr selten jemand morgens um 8 mit 30 km/h im Stau steht, kann Waze den Stau auch nicht kennen.
Anhand dieser Statistik-Daten wird dann erstmal die möglichst schnellste Route - falls dies im Client so eingestellt ist - berechnet. Ggf. bekommt man so am Montag um 7 eine andere Strecke als Freitag um 7, am Montag um 7 aber vielleicht auch eine andere Strecke als um 8.
- Aktuelle Verkehrsdaten
Beim Routing achtet Waze auch auf aktuelle Verkehrsbedingungen. Diese bekommt Waze allerdings zzt. nur von anderen Wazern. Heißt, steht jemand im Stau und Waze stellt eine deutliche Verlangsamung fest, zeigt er einen Stau an und passt das Routing an, beim Start des Routings - wobei er hier wohl nur ca. 30 Minuten in die Zukunft schaut, ggf. aber auch während der Fahrt. Dafür berechnet er Ausweichrouten, auch wieder anhand der Statistik und aktueller Daten.
Steht allerdings kein anderer Wazer im Stau - erkennt Waze den Stau nicht und routet uns hinein. Merke: irgendjemand muss im Stau stehen, damit die anderen davon profitieren
Das machen andere Navis auch so, nur steht z.B. GoogleMaps die Bewegusdaten fast sämtlicher Android-Handys zur Verfügung, daher sind deren Daten antürlich deutlich valider an der Stelle (Google speichert dafür imho keinerlei historische Daten).
Hoffe, das war jetzt nicht zu trocken und zeigt, wie komplex das Ganze ist. Hat Waze um die Zeit genug Daten für alle möglichen Strecken, kennt es den Stau, der da gerade ist, oder nicht, das sind so die Unwägbarkeiten, die zu solchen Threads wie diesem führen. Genau beantworten könnte das Waze, nur die kennen die Algorithmen und haben die Datenbasis. Ein wenig kann man allerdings anhand der Livemap erkennen, da man dort ja die Uhrzeit vorstellen kann, da erkennt man dann teilweise deutliche Zeitunterschiede an den Strecken.
Was kann man machen?
Fahren, fahren fahren - und andere Wazer ‘werben’
Je mehr Daten vorliegen, umso genauer sind die Ergebnisse. Daher unterstützt man Waze schon sehr, wenn man es für alle Fahrten nutzt, auch wenn man den Weg kennt. Als ortskundiger Wazer kann in so einer Situation man natürlich gerne die Strecke nehmen, die man selbst als die schnellere kennt - das hast Du ja gemacht. Oder mal probiert einmal die Waze-Empfehlung aus, manchmal bin ich selber überrascht, mit welchen komischen Umwegen man trotzdem Zeit einspart… Waze lernt auf jeden Fall mit jeder Fahrt dazu und passt dann ggf. auch das Routing an.
Hoffe, das hilft Dir erstmal weiter 