Mapping bei einseitigem "Anlieger-Frei"

Moin zusammen,

ich habe mal die folgende Thematik beleuchet. In Frankfurt - und ich bin sicher auch in vielen anderen Städten - werden Anwohner gegen Durchgangsverkehr oft durch ein “Anlieger frei” geschützt. Ein Problem beim Mapping entsteht hierbei, falls das zu schützende Gebiet nicht vollständig durch Anlieger-Frei-Schilder begrenzt ist. Sehr oft werden eine oder mehrere Zufahrten ohne Beschränkung gelassen. Das stellt uns beim Mapping und Waze beim Routing vor Probleme. Wie soll dem Algo klar gemacht werden, dass in die eine Richtung nur Anlieger fahren dürfen, aber in die andere Richtung jeder fahren darf? Wem das zu verwirrend ist, hier mal ein Beispielsegment.

https://waze.com/de/editor?env=row&lat=50.09666&lon=8.68530&zoomLevel=19&segments=418252071,418252074,418252073

Von Nord nach Süd dürfen nur Anlieger und von Süd nach Nord darf jeder Fahren. Das ganze wird dadurch “charmant”, dass Durchgangsverkehr somit von Süd nach Nord möglich ist.

Um das Problem zu lösen, habe ich verschiedene Ansätze gesehen, von denen jeder seine Vor- und Nachteile hat. Gleich vorweg: Es gibt keinen perfekten Ansatz, aber einen der ziemlich gut zu sein scheint.

Den drei Ansätzen habe ich mal Namen gegeben:

Im Folgenden beleuchte in die einzelnen Lösungen mal auf Ihre Praktikablität, Legalität und Routingergebnisse. Dafür benutze ich vier Szenarien.

  • Start auf der Hauptstraße, Ziel auf der Anlieger-Frei-Seite der Straße.
  • Start auf der Hauptstraße, Ziel auf gegenüber der Anlieger-Frei-Seite der Straße.
  • Anwohner im “geschützen Gebiet”.
  • Durchfahrtsverkehr.

Damit ich nicht Beispiele in der Karte erzeugen musste und das Routing verfriemel, habe ich das beste aller Managementstools bemüht: Excel :smiley:

Die Pfeile gegen die Richtung der Fahrbahn an.
Braun ist die Privatstraße.
Grün die die Hin-Route.
Blaue ist die Zurück-Route.
Gelbes “S” ist der Start.
Gelbes “Z” ist das Ziel.

Hier ist das Gebiet:gebiet.PNG

Wir haben eine Hauptstraße im Norden, zwei Querstraßen, davon eine einseitig mit Anlieger frei, eine Parlellstraße im Wohngebiet und eine weitere Zufahrtsstraße im Süden.

Szenario 1. Start auf der Hauptstraße, Ziel auf der Anlieger-Frei-Seite der Straße.SZ1.PNG
Das 2-Segment-Einbahn-Mapping sowie das Totale-Mapping liefern das korrekte und legale Ergebnis. Nur das Dog-Leg-Mapping liefert für die Hinfahrt eine nicht-optimale Route.

Szenario 2. Start auf der Hauptstraße, Ziel auf gegenüber der Anlieger-Frei-Seite der Straße.SZ2.PNG
Hier liefert nur das Totale-Mapping das legal-korrekte Ergebnis. Denn falls mein Ziel in der Straße (nicht Straßenseite!) liegt, die beschränkt ist, darf ich einfahren.
Das 2-Segment-Einbahn-Mapping und das Dog-Leg-Mapping liefern beide für die Hinfahrt nicht die optimale Route.

Szenario 3. Anwohner im “geschützen Gebiet”.SZ3.PNG
Hier liefern das 2-Segment-Einbahn-Mapping und das Dog-Leg-Routing die legalen Ergebnisse. Das totale Mapping scheitert. Denn: Das “Anlieger Frei” gilt nur für die Straße vor der es aufgestellt ist und nicht für die nachfolgenden Straßen. Also darf der Anwohner in diesem fall NICHT legal durch das Anlieger-Frei fahren. Die nachfolgenden Segmente haben ein implizites “Anlieger-Frei” nur dann, falls sie nicht anders erreicht werden könnten, als durch die beschränkte Straße zu fahren.
Aber der Anwohner dürch durch das Süd-Nord-Stück ausfahren.

Szenario 4. DurchgangsverkehrSZ4.PNG*edit: Bei mittlerem Szenario in der Grafik die Bewertungen verwechselt. Ändert aber nichts am Ergebnis.

Hier liefern das 2-Segment-Einbahn-Mapping und das Dog-Leg-Routing die legalen Ergebnisse. Das “Totale Mapping” verhindert dir optimale Durchfahrt, durch die fälschliche Sperrung des Süd-Nord-Segmentes.

Soweit gewinnt das 2-Segment-Einbahn-Mapping mit 7 von 8 korrekten Routings, während die anderen beiden Methoden auf nur 6/8 korrekte Routings kommen. Aber!

Wahrscheinlich wohnen nur ein kleiner Teil der Menschen direkt an dem Segment und ein Großteil außerhalb. Also habe ich das gewichtet. Dafür habe ich angenommen, dass nur in 5 % der Fälle Szenario 1, in 5 % der Fälle Szenario 2, in 15% der Fälle Szenario 3 und in 75% der Fälle Szenario 4 geroutet wird.
Damit ergibt sich dann, dass noch immer das 2-Segment-Einbahn-Mapping gewinnt (2,0 Punkte) vor dem Dog-Leg-Mapping (1,9 Punkt). Das Totale Mapping fällt auf 1,1 Punkte zurück.

Somit scheint das 2-Segment-Einbahn-Mapping das Beste zu sein. Aber ein Problem verbleibt noch. Die Hausnummern können nicht sinnvoll zugeordnet werden. Das ist jedoch nur in dem Fall kritisch, dass ein Routing gemäß Szenario 2 stattfindet. Und in dem Fall würde es das Ergebnis nicht verändern (schaut Euch die Grafiken an…). Nur das totale-Routing hätte in diesem Spezialfall ein korrektes Ergebnis. Damit können die Hausnummern vernachlössigt werden.

  1. Mein Vorschlag ist also, dass wir für solche Situationen in Zukunft das 2-Segment-Einbahn-Mapping verwenden.
  2. Das Dog-Leg-Routing sollte vermieden werden. Es ist nichts weiter, als ein kompliziertes Abbiegeverbot…

Was sind Eure Gedanken hierzu.

Servus,

in den USA teilen sie, gerne an “gated communities”, an der stelle auf, also statt Zweibahn werden einfach zwei Einbahn Segmente gesetzt.
eines als normale Straße und eins als Private.

https://wazeopedia.waze.com/wiki/USA/Private_Installations

Ich hab gerade kein Deutsches Beispiel dafür.

Gruß,
Kevin

Ich hätte da ein Beispiel (bei mir in der Nähe):
https://www.waze.com/de/editor?env=row&lon=8.31021&lat=49.95291&zoomLevel=21

Viele Grüße
Felix

Schönes Beispiel!

Quasi so: https://waze.com/de/editor?env=row&lat=50.09666&lon=8.68530&zoomLevel=19&segments=418252071,418252074,418252073

Hierbei ist es wichtig, dass das gesamte vom Anlieger-Frei betroffene Segement, mit zwei separaten Spuren gemappt wird. Sonst bringt das nichts (siehe mein Post).

Bei meinem oben genannten Beispiel ist das ganze komplizierter, da hier ein ganzes Gebiet betroffen ist. Deswegen sind alle Einfahrten in dieses Gebiet so gemappt und ein MC weist darauf hin.
Es war nur das erste Beispiel, was ich auf die schnelle gefunden habe.

Hier fehlt übrigens noch das SL:
https://www.waze.com/de/editor?env=row&lon=8.68530&lat=50.09666&zoomLevel=19&segments=418252071

Viele Grüße
Felix

Ich denke, man sollte es nicht komplizierter machen, als unbedingt notwendig.
Sind nur einzelne Straßen zweiklassig (die eine Richtung für alle offen, die andere Richtung nur für Anlieger), dann reicht es aus, das Anfangssegment in eine Standart-Einbahn (zum Ausfahren) und ein entgegengesetzt verlaufendes, Privat-Segment umzugestalten. Besteht die Straße aus mehreren Segmenten, muss meines Wissens nach nicht die komplette Straße umgestaltet werden, sondern es genügt das erst Segment. Es soll ja nur verhindern, daß jeder durch dieses Straße hindurchnavigiert wird.

Ist ein ganzes Wohngebiet auf diese Weise “abgeschottet”, dann ist der o. g. Artikel hilfreich. Dann sollte an jeder möglichen Zufahrt zum Gebiet ein dort beschriebenens “Standart Gate” eingerichtet werden. Also zwei Einbahn-Segmente. Hinein privat und heraus Standart offen (nach Straßentyp). https://wazeopedia.waze.com/wiki/USA/Private_Installations#Gate_Option:_Standard_Gate

Hier auch ein Beispiel aus Hamburg.

https://waze.com/en-US/editor?env=row&lat=53.61941&lon=10.07782&zoomLevel=22&segments=371281421,371281424,371281427,371281426,75904072

Ein Beispiel aus Essen mit nächtlicher Einfahrtsbeschränkung und Bypass für Anlieger:
https://www.waze.com/de/editor?env=row&lon=7.01607&lat=51.44650&zoomLevel=21&mapComments=4588034.46011417.1161287

Bei nur wenigen betroffenen Segmenten lässt sich die Situation Falcon-konform mit einer Kreuzungsbox wie folgt lösen:
über die Kreuzungsbox wird der Pfad/die Pfade, der/die unter die Beschränkung Privatstraße fallen, verboten.

Die Kreuzungsbox unterbindet damit das Routing entlang dieser Pfade für den Durchgangsverkehr. Alle übrigen Abbiegungen innerhalb der Kreuzungsbox bleiben dagegen unverändert und damit erlaubt. Die Beschränkungen auf den Pfaden der Kreuzungsbox greifen darüber hinaus nicht, wenn sich das Navigationsziel innerhalb der Kreuzungsbox befindet - Ziel- und Startpunkt der Navigation können sich dort befinden und werden nicht beeinflusst.

Hast du da mal ein Beispiel dafür @FasterinoSpeederino ​​​​​​?

Wenn das gesamte Gebit betroffen ist, dann kann doch einfach das gesamte Gebit als Privatstraße gemappt werden.

Hi. Ich denke genau dieses Mapping sollte vermieden werden. Denn so kann wird Waze niemanden in das Gebiet routen, selbst wenn er auf dem Segment lebt. Die kurze Privatstraße am Anfang verhindert ein generelles Einfahren. Besser sollte sich das private Segment entlange der gesamten Straße erstecken (siehe mein ursprünglicher Post).

Ich verstehe nicht, wie das das Anliegerrouting ermöglicht, wenn das Abbiegen in das Segemt generell verboten ist…

Luisenstraße in Wiesbaden
.
Die Besonderheit ist hier noch, dass die Durchfahrt immerhin für Öffentlichen Verkehr und Taxen erlaubt ist.

Hier (https://waze.com/de/editor?env=row&lat=50.09414&lon=8.68165&zoomLevel=20&segments=418425207,418425206,418425204) habe ich mal nachgebaut, wie es optimal funktionieren könnte.

Sobald das live ist, werde ich dass in der nächsten Woche mal “abfahren” und nir anschauen, ob das funktioniert.
Ich berichte dann :slight_smile:

Die Kreuzungsbox erlaubt das Durchfahren(!) der in ihr liegenden Segmente nur auf den durch die Box erlaubten Pfaden, d.h. in die Box rein UND wieder raus nur über die festgelegten Pfade.

Beim Routing auf ein Segment in der Box oder von einem Segment in der Box wird die JB aber komplett außer Acht gelassen und nur die “normalen” Abbiegepfeile werden berücksichtigt.

Beispiel: Rot nur Anlieger, Grün frei. Alle Abbiegungen sind erlaubt

JB & Pfade setzen (natürlich auch für alle anderen Einfahrten):

Die Abbiegung (Geradeaus) in die JB ist erlaubt, aber ein Durchfahren der Box ist verboten.


Aus dieser Richtung ist alles erlaubt.

Das führt uns im Ergebnis zu genau unserem gewünschten Verhalten.
Anliegerrouting ist aus allen Richtungen möglich, ohne das irgendwie um den Block geroutet wird > Hausnummern und POIs können vernünftig eingetragen werden.
Der Durchgangsverkehr wird einseitig aus dem Segment gehalten.
Start auf dem Segment ist in beide Richtungen möglich.
Andere Beschränkungen können berücksichtigt werden (z.B. Taxen frei)
Falcon explodiert nicht.

Drawbacks: L4 notwendig, Geo-Änderungen sind ggf. nicht ohne weiteres möglich

Möglich ist das aber nur bei einer geringen Anzahl an Segmenten und auf kleiner Fläche.

1 Like

Aha. Nur um sicher zu gehen: Wenn ich mein Routing IN der Kreuzungsbox starte, kann ich überall hin, weil ich nicht über die Kreuzungsbox eingefahren bin. Richtig verstanden? Das wäre natürlich die optimale Lösung!

Jap, richtig verstanden

Hab es umgebaut mit einer JB

Also in Zukunft lieber per JB oder gesplittetem (pro Richtung) Routing?
Falls JB: Die armen L4-Editoren :smiley: